Salix x mollissima  Hoffmann ex Elwert 1786 -- S. triandra x viminalis --
Hanfmandelweide, Buschweide

Syn.: Salix hippophifolia  Thuill. 1799

Weidenkreuzungsprodukte für verbesserte Flechteigenschaften

Kreuzungsprodukte zwischen Mandel- und Hanfweide wurden für die Korbflechterei gezüchtet, um die bevorzugten Eigenschaften der Eltern zu vereinen. Das Ergebnis dieser mehrheitlich in England generierten Züchtungen sind schlanke und geschmeidige Ruten in stark aufrechter und froher Wüchsigkeit. Als deutsche Namen kursieren Hanfmandelweide oder Buschweide. Letztere Bezeichnung verweist auf das buschförmige Wachstum ungeschnittener Exemplare, welches bis zu einer Endhöhe von 4 – 6 m gereicht.

Je nachdem, welcher Elter beim Kreuzungsprodukt vorherrscht, gruppieren sich die Sorten zu jenen mit mehr Mandelweiden-Anteil (Blätter mit wellförmigem Drüsenrand, var. undulata) und jenen mit mehr Hanfweiden-Anteil (Blätter ähnlich Sanddorn, var. hippophaeifolia).



Salix x mollissima var. undulata  'Kottenheider Weide' -- Wellrandige Hanfmandelweide 'Kottenheider Weide'

Kultursorte D (DDR) 1952 - H. Günther, D-Graupa

Wellig bedrüster Blattrand und chrakterische Petiolardrüsen direkt beim Spreitengrund

Syn.: S. triandra x viminalis  'Kottenheider Weide'

Geschlecht:     weiblich
Verwendung:  Flecht- und Energieweide

Vom Zufallsfund zur Hochzuchtsorte

Diese elegante Erscheinung stammt ursprünglich aus der Kottenheide im deutschen Erzgebirge. Ein Zufallsfund, der nach flechterischem Praxistest zur Hochzuchtsorte weiterentwickelt wurde. So geschehen am Institut für Forstwissenschaften, Tharandt, Zweigstelle Graupa bei Dresden, unter der Leitung von Forstmeister Günther. 1952 fand die 'Kottenheider Weide' schliesslich Eingang ins Sortenverzeichnis der damaligen DDR (Wagner et al. 1959).

Frohwüchsig und elegant
Gute Bewurzelungsfähigkeit und frohe Wüchsigkeit zeichnen diese Sorte aus. Die Flechtmaterial-Gewinnung sollte somit auf eher spärlich gedüngten Böden stattfinden, will man gleichmässig dünnes und hochflexibles Material ernten. Soll der Anbau aber möglichst viel Masse ergeben, so darf kräftig gedüngt und die Energieweiden-Eigenschaften der Sorte ausgenützt werden. Das Ergebnis nach einem Kulturjahr sind dann kräftige Ruten von über 2,5 m Höhe! Dabei wächst sie in jedem Fall ausgeprägt elegant; geradlinig aufrecht strebende Ruten, meist ohne Verzweigungen und geringer Abholzigkeit. Anfangs olive-grün entstehen bei ausreichend Sonneneinstrahlung dekorative, gelbgrüne Flecken im Spitzenbereich der Triebe. Und dieser Glanz! Neben den erstarkten Ruten ist auch die Oberseite der Blätter unbehaart und stark glänzend. Entsprechend der Zuordnung zur Unterart undulata zeigt der Blattrand die wellige Bedrüsung. Zusätzlich bildet 'Kottenheider Weide' eine charakteristische Drüsengruppe direkt beim Spreitengrund des Blattes. Ein ausgezeichnetes Erkennungsmerkal der Kultursorte!
Aufgrund ihrer Herkunft ist diese Weide wenig empfindlich auf Spätfrost. Dagegen scheint sie aber äusserst schmackhafte Jungtriebe zu haben und sollte deshalb ausreichend gegen Verbiss geschützt werden.

Für eher grobe Flechtwerke
'Kottenheider Weide' eignet sich vorallem für grobe Flechtereien. Dank der glatten Oberfläche sowie der hohen Flexibilität liegen die Ruten angenehm in der Hand und lassen sich gut verarbeiten. Die getrocknet rot-braunen, teils etwas marmorierten Ruten verleihen dem Flechtwerk einen warmen Glanz.

'Kottenheider Weiden' - Eine Sorte aus der nördlichen Nachbarschaft, die es wert ist, wieder vermehrt gebraucht zu werden!

Austrieb im Frühling
'Kottenheider Weide' in Kultur
Glänzen im Sonnenlicht - frisch geschnittene Ruten der 'Kottenheider Weide'
Getrocknete Ruten sind rot-braun

Salix x mollissima var. hippophaeifolia  'Trustworthy' -- Sanddornblättrige Hanfmandelweide 'Trustworthy'

Kultursorte GB ca. 1919

Syn.: S. triandra x viminalis  'Trustworthy'

Geschlecht:     männlich
Verwendung:  Flechtweide

Frohwüchsige Flechtweide - oder aparte Zierweide?

Aparter Hingucker mit dekorativen Kätzchen

'Trustworthy' ist wenig anspruchsvoll und äusserst frohwüchsig. Ellmore [1919] beschreibt diese Sorte dann auch als kräftig und hoch wachsend; durch das dichte Blattwerk soll gar der Beiwuchs unterdrückt werden. Auch in Bezug auf Krankheitsanfälligkeit und Affinität zu Schadinsekten erhält dieses Kreuzungsprodukt aus Mandel- und Hanfweide die Auszeichnung UNEMPFINDLICH. Insbesondere sind keine Hinweise offenkundig bezüglich Schädigung durch Spitzenknospen-Mücke oder spezialisierter Blättläuse, die häufigen Schadinsekten der zugrundeliegenden Kreuzungspartner.
Äusserlich ist diese Weide ebenfalls ein aparter Hingucker: Schokoladenbraune Triebe, dekorative Kätzchen zusammen mit dem Blattaustrieb und frischgrünes, dichtes Laub. In der lederartig derben Oberfläche und dem nahezu buchtenlosen Blattrand zeigt sich deutlich das Vorherrschen des Hanfweiden-Elters. Diese Merkmale laden zum Vergleich mit Sanddorn ein und haben zur deutschen Bezeichnung Sanddorn-blättrig geführt.

Ertragssichere Produktionssorte
Der Sortennamen verspricht Zuverlässigkeit im Sinn von Ertragssicherheit. Erfahrungen aus dem eigenen Anbau können diese These bestätigen. Insbesondere auf mässig gedüngtem Boden lassen sich Flechtruten von hervorragender Qualität produzieren. Die Ausbeute ist dabei ganz ordentlich. Bei ausreichend Besonnung erhält man zudem intensiv rot-braunes bis schokoladenfarbiges Material.

Diese alte Kultursorte aus England hätte im Garten einen Platz verdient - wenn nicht als Flechtweide, dann sicher als Augenweide!

Sichtbares Hanfweiden-Erbe: Lederartig derbe Blattoberseite mit nahezu buchtenlosem Blattrand und ...

... frischgrünes, dichtes Blattwerk
Frisch geschnittene Ruten
Getrocknete Ruten

Eintrag erstellt: 14.09.2017/züm - Letzte Aktualisierung: 19.10.2017/züm