Salix x fragilis  Linné 1753 -- S. alba x euxina --
Fahlweide

Syn.: S. x rubens  Schrank 1789
Syn.: S. decipens  Hoffmann 1791
Syn.: S. fragilis  L. var. decipiens  (Hoffm.) W.D.J. Koch 1837

Flechtweiden mit meist hervorragenden Grünholz-Bindeeigenschaften

Viele Vertreter der Fahlweiden wurden historisch vermeintlich als reine Bruchweiden angesehen. Die Geschichte der korrekten Indentifizierung zieht sich über mehrere Jahrhunderte hin; siehe --> Salix euxina. Eine internationale Gruppe von Salicologen bestätigte 2009 das Vorliegen einer Hybride zwischen Silber- und Bruchweide neben der selten vorkommenden reinen Bruchweide (Belyaeva 2009).

Fahlweiden sind wüchsige Baumweiden mit Wuchshöhen gegen 15 Meter und werden gerne als Kopfweiden kultiviert. Zuchtsorten aus Fahlweiden stammen hauptsächlich aus dem Gebiet Frankreich/Belgien und sind ebenso vielgestaltig wie zahlreich. Die Farbpalette ihrer einjährigen Ruten reicht von grün über gelb, nach orange bis rot. Die frisch geschnittenen Triebe haben meist vorzügliche Bindeeigenschaften, was ihre Verwendbarkeit im Obst- und Weinbau begründet. Je nach Sorte, Kulturform und Nährstoffversorgung kann die Seitentriebbildung mehr oder weniger ausgeprägt sein. Bei angepasster Kultur ergeben Fahlweiden aber hochwertiges, geschmeidiges Flechtmaterial mit handfreundlich wachsiger Oberfläche.



Salix x fragilis  'Bouton Plat' -- Fahlweide 'Bouton Plat'

Kultursorte F ca. 1920

Syn.: S. alba x fragilis  'Bouton Plat'
Syn.: S. x rubens  'Bouton Plat'

Geschlecht:     männlich
Verwendung:  Flechtweide

Dunkelrote Flechtweide mit markanten, abgeplatteten Knospen

Den speziell geformten Knospen verdankt 'Bouton Plat' den Namen. Aber auch die dunkelrote Rutenfärbung zeichnet diese Flechtweide aus. Das Dunkelrot ändert im getrockneten Zustand zu rot-braun und verleiht Flechtwerken eine attraktive Note. Nicht zuletzt trägt die hohe Elastizität und die wachsige Oberfläche des flechterisch aufbereiteten Materials zu einer guten Verarbeitbarkeit bei.
Was gut in der Hand liegt, gute Torsionseigenschaften besitzt und farblich anspricht sollte eigentlich vermehrt angebaut und verarbeitet werden! 'Bouton Plat' stammt aus dem Raum Frankreich/Belgien, wo kleinere Flechtereien noch heute Kulturen dieser Sorte für den Eigengebrauch betreiben. Bereits 1921 beschreibt Eugéne Leroux 'le Salix fragilis bouton plat'  in seinen Schriften zum Flechtweidenanbau als eine der Besten.

Anspruchsvolle Kultur und später Blattfall
Die Kultur dieser Sorte stellt allerdings einige Ansprüche. Wegen der Farbausprägung muss die Anbaufläche sehr sonnig liegen, der Nährstoffgehalt des Bodens muss ausreichend aber nicht zu hoch sein und aufgrund der Tendenz zu Seitentrieben sollte unbedingt im Verbund gepflanzt werden. Ausserdem gehört diese Kultursorte gemäss Leroux (1921) zur Gruppe mit spätem Blattfall und der damit einhergehenden späten Ausreifung der Ruten. Für Erntearbeiten muss somit entsprechend zugewartet werden.

Materialproduktion mit 'Bouton Plat' - eine kleinere Herausforderung; aber es lohnt sich!

'Bouton Plat' bildet männliche Kätzchen
'Bouton Plat' in der Kultur - eine typische Fahlweide
Trieb im September mit charakteristischen Knospen
Frisch geschnittene Ruten sind dunkelrot und tragen abgeplattete Knospen
Getrocknete Ruten sind rot-braun
 

Salix x fragilis  'Flanders Red' -- Fahlweide 'Flanders Red'

Kultursorte B ca. 1920

Syn.: S. alba x fragilis  'Flanders Red'
Syn.: S. x rubens  'Flanders Red'

Geschlecht:     weiblich
Verwendung:  (Grünholz-)Bindeweide, Flechtweide

Binden im Weinbau - mit Ruten von 'Flanders Red'

‘Flanders Red’ – auserlesen für den Weinbau

Die 'Rote aus Flandern' ist eine fantastische Bindeweide und flechterisch hervorragend zu handhaben. Ursprünglich zuhause ist sie im Gebiet Belgien und den angrenzenden Niederlanden, wo die Anbauflächen geeignet sind, um den Mandelweiden ebenbürtige Qualität an gleichmässigen und höchst flexiblen Ruten zu produzieren. Geeignete Böden sind gut durchlässig sowie mit ausgeglichener Feuchtigkeit und moderater Düngung ausgestattet. Zuviel Nährstoffe fördert die Seitentriebbildung und ergibt grosse Massen an minderwertigem Material. Abhilfe lässt sich hierbei allenfalls mit einem zusätzlichen Rückschnitt innerhalb der Kulturperiode schaffen. Um die für diese Sorte namensgebende Rotverfärbung der Rinde zu erreichen muss der Anbaustandort gut besonnt sein. Im dichten Stand der Bodenkultur sind die Ruten dann meist unten grün und im sonnseitigen oberen Bereich attraktiv rot-braun überfärbt. Gleich nach der Ernte getrocknete Ruten sind orange-braun. Dieser warme Farbton im Wechsel mit geschälten Weiden ergibt farblich ansprechende Flechtwerke.

Historisch hoch geschätzte Bindeweide
Die bereits im noch grünen Erntegut vorherrschende Elastizität macht diese Sorte zur bevorzugten Grünholz-Bindeweide. Neben vielen Quellen, die Vertreter der Fahlweiden als Bindeweiden propagieren, verweist Stott (1992) explizit auf die Sorte 'Flanders Red'; von Deutschen Winzern des Rheinlands hoch geschätzt, würden Ruten dieser Kulturweide jedes Jahr direkt aus Belgien importiert.
Das galt vor 25 Jahren. Was damals eine Exklusivität war wäre es durchaus wert heute wiederentdeckt zu werden!

'Flanders Red' in Kultur
Bindeknoten ‘Japanauge’
Einst genutzt als Bindeweide im Weinberg – heute verwildert
Frisch geerntete Ruten
Getrocknete Ruten

Salix x fragilis  'Jaune Hâtive' -- Fahlweide 'Jaune Hâtive'

Kultursorte F ca. 1930

Syn.: S. alba x fragilis  'Jaune Hâtive'
Syn.: S. x rubens  'Jaune Hâtive'

Geschlecht:     männlich
Verwendung:  Flechtweide

Früh und gelb

Eine Flechtweide mit gelber Rinde und roten Knospen. Neben 'Jaune Hâtive' gibt es etliche andere mit denselben Ausprägungen. Aber die meisten der anderen sind weiblichen Geschlechtes. Eigentlich müsste diese männlich blühende Sorte eher 'Jaun Hâtif' heissen. Flechtweidenzüchter und -kultivierende interessiert die Gender-Frage aber äusserst wenig; geerntet wird sowieso vor der Kätzchenblüte. Was die Ruten für eine Farbausprägung zeigen und wann die Ernte endlich beginnen kann, sind viel bedeutendere Eigenschaften; will heissen: Früher Blatt abwerfende Sorten können zeitiger geschnitten werden und farblich attraktive Ruten sprechen mehr Kaufinteressenten an. Eine frühe, gelbe Flechtweide liegt hier also goldrichtig!

Schonendes Trocknen für gute Materialqualität
Ruten von gelb berindeten Fahlweiden trocknen meist zu einem hellen Braun. Diese Sorte ist zudem sehr wüchsig und findet vor allem für gröbere Flechtwerke Verwendung. Auch hier, für Flechtmaterialproduktion eher nähstoffarm und im Verband kultivieren. Der zeitige Schnitt und ein zügiges Trocknen sind für gute Materialqualität ebenfalls entscheidend. Mit Vorteil wird der Trocknungsprozess in einem dunklen und trockenen Raum durchgeführt; Sonneneinstrahlung verbunden mit Feuchtigkeit kann Verbrennungen an der Rinde verursachen, welche sich nicht nur durch unansehnliche schwarze Flecken sondern auch durch Beeinträchtigung der flechterischen Qualität manifestieren.

'Jaune Hâtive' ist eine wüchsige gelbe Kultursorte, die sich neben dem Anbau als Flechtweide auch für die mehrjährige Kopfkultur mit Kätzchenblüte eignet.

'Jaune Hâtive' als Blumenstrauss
'Jaune Hâtive' in der Kultur
Frisch geschnittene Ruten
Getrocknete Ruten

Salix x fragilis  'Opas Bindeweide' -- Fahlweide 'Opas Bindeweide'

Landsorte CH ca. 1920 -- Hansueli Friedrich, CH-Stammheim

Geschlecht:     unbekannt
Verwendung:   (Grünholz-)Bindeweide, Flechtweide

Goldgelbe Binde- und Flechtweide

Im Sommer mit frischgrünem Laub und rötlichen Spitzen, im Spätherbst und Winter goldgelbe Ruten mit roten Knospen; 'Opas Bindeweide ist eine farbenprächtige und sehr wüchsige Weide. Diese Landsorte stammt aus einer ehemaligen Stammheimer Baumschule; im Andenken an seinen Grossvater und vom hohen Wert als Nutzweide überzeugt, hat Hansueli Friedrich diese auffällige Weide erhalten. Aufgrund ihrer vorzüglichen Bindeeigenschaften hätte früher viel Kundschaft den Weg in die Baumschule gefunden, erinnert sich Friedrich. Sein Opa hatte damals eine 2-Hektar grosse Fläche für die Gewinnung jähriger Binderuten angelegt. Villenbesitzer aus dem nahe gelegenen Winterthur seien gekommen und Baumschulisten; erstere hatten Bedarf zum Binden ihrer Weinreben und letztere hätten gar kiloweise Material für ihre jeweiligen Schnürarbeiten bezogen.

Einfache Kultur
Die Kultur von 'Opas Bindeweide' ist denkbar einfach: Normaler Gartenboden und sonnig. Dann ist sie frohwüchsig und liefert bei jährlichem Rückschnitt reichlich gutes Binde- und Flechtmaterial. Vorallem ersters ist prädestiniert für den Obst- und Weinbau, wo die Produktion der hervorragenden Binder auch gleich vor Ort, platzsparend auf niederen Kopfbäumen erfolgen kann.
Diese lokal bewährte Bindeweide aus dem Zürcher Weinland ist ein Juwel, das weitere Verbreitung und Nutzung verdient!

Weidenbund, geschnürt mit ‘Opas Bindeweide’
Farbenprächtig - 'Opas Bindeweide' in der Kultur
Frisch geerntete Ruten

Eintrag erstellt: 17.06.2017/züm - Letzte Aktualisierung: 19.10.2017/züm