Verwendung als Bindeweide

Binden mit Naturmaterialien wie Weiden, Binsen oder Stroh, war früher selbstverständlich. Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde im Obst- und Rebbau schweizweit mit Weidenruten gebunden (Faust et al. 1986). Heute sind Binder aus Kunststoffen vorherrschend. Aufgrund der einfacheren und zeitsparenderen Handhabung. Dabei wären die Vorteile von Naturbindern beträchtlich; Kontrollgänge bezüglich Einwachsen sind unnötig und durch die Verrottbarkeit erübrigt sich das nachträgliche Einsammeln. Schliesslich wird auch kein Abfall generiert, da als Endprodukt wertvoller Humus entsteht.
Vorbedingungen für die erfolgreiche Verwendung von Bindeweiden sind allerdings Kenntnis des Materials, die Erzeugung im eigenen Garten/Betrieb, Wissen um Handhabung und entsprechende Bindetechniken. Nicht zuletzt gelingt die Produktion von hochwertigem Bindematerial leichter mit geeigneten Weidensorten.

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Weidenrose - traditionell geschnürter Weidenbund

Binden im Weidenanbau

Frisch geschnittene Ruten werden für den Transport zu Bunden zusammengeschnürt. Das Schnüren kann natürlich einfach mit Schnur erfolgen. Heute ist die Verfügbarkeit und der Kostenpunkt für Schnurmaterial ja kein Thema mehr. Traditionell geschieht das Zusammenschnüren aber direkt mit Weidenbindern aus eigener Produktion; der Knoten meist in gedrehter Form einer Rose. Diese Bindetechnik braucht zwar etwas Übung, aber das Ergebnis hält hervorragend und kann sich zudem noch sehen lassen!
Aber auch hierzu ist nicht jede Weidenrute geeignet, vor allem nicht in grünem Zustand. Mit (Land-)Sorten der Fahlweide (S. x fragilis) wie 'Opas Bindeweide' oder 'Flanders Red' lässt sich reichlich Material in sehr guter Qualität erzeugen.

Binden im Obst- und Weinbau

Ende Januar im Tessin, im Bezirk Capriasca nähe Lugano. Die Reben in den Weinbergen sind vielerorts bereits fertig geschnitten und Bindearbeiten stehen an. Gebunden wird in der Capriasca traditionell mit Naturweiden, vor allem mit Silberweiden. Die bizarr geschnittenen Bäume liefern reichlich Material, von welchem insbesondere schlanke Seitentriebe dickerer Äste für Bindearbeiten begehrt sind. Gesammelt und zu Bündeln geschnürt werden diese dann für die Verwendung bereitgestellt.
Man ist hier sehr stolz, die Fertigkeiten dieser alten Bindetechnik zu beherrschen und erfreut sich der akkurat fixierten Rebstöcke. Jahrzehntelange Übung lässt die Ausführung des Knotens dann auch sehr schnell geschehen und ergibt ein gleichmässiges Ergebnis an funktionstüchtigen Bindern. Auch alte Binder aus dem letzten Jahr, sofern noch nicht abgefallen, zeigen keinerlei Einschnürungen oder gar Verletzungen an den Trieben.
Den Reben scheint's sichtlich gut zu bekommen. Der Wein mundet jedenfalls ganz ausgezeichnet! - Grazie mille!

Traditionelle Bindeweiden in einem Tessiner Weidenheger (Capriasca, TI)
Bindeweiden geschnitten (Capriasca, TI)
Geerntetes Schnittgut (Capriasca, TI)
Weidenbinder im Weinberg (Capriasca, TI)
Bindetechnik (Capriasca, TI)
Fertiger Binder (Capriasca, TI)
Mit Weidenband fixierter Rebstock (Zizers, GR)
Bindematerial-Produktion direkt im Rebberg (Zizers, GR)
Dank spezieller Tragschürzen sind Weidenruten und Rebschere stets griffbereit (Zizers, GR)

Aber auch nördlich der Alpen gibt es Betriebe, wo die alte Bindetechnik weiterhin gepflegt wird:
Auf einem 5-ha-Weingut im bündnerischen Zizers gehört das Binden mit Naturweiden ebenfalls zur Familientradition. Das Material dazu liefern auf dem Betrieb kultivierte Kopfweiden von Dotterweiden (Salix alba ssp. vitellina) und Fahlweiden (Salix x fragilis). Um dem vielfältig anfallenden Schnittgut aus Kopfweidenkultur gerecht zu werden, finden dickere Weidengerten bevorzugt zur Fixierung der Rebstöcke Verwendung, während dünnere Triebe für das Anheften der Tragruten fungieren. Zur besseren Handlichkeit der Binderuten wurden spezielle Tragschürzen konzipiert. Bindematerial und Rebschere sind dadurch stets in Griffnähe. Neben der Treue zur Familientradition spricht aber auch die Verrottbarkeit für Weidenbinder. Keine zusätzlichen Fremdstoffe in den Rebberg bringen gehört zum Qualitätsbewusstsein und ist Teil der Betriebsphilosophie. Des Weiteren muss beim Winterschnitt weder auf Plastik- noch Metallbänder Rücksicht genommen werden, was dem schadlosen Einsatz der Rebscheren sehr zu Gute kommt. Da die aufwändigere Bindearbeit in eine Zeit fällt, in der wenig andere Dringlichkeiten anfallen, fällt der Zusatzaufwand wenig ins Gewicht. Oder hat diese Art von Bindearbeit womöglich noch einen anderen, nicht materiellen Effekt? Der Besucherin an jenem sonnigen Tag Ende März erscheint das friedliche Tun im Weingut als eine Art genussreichen Seins oder gar Meditation.
Wie dem auch sei, erneut kann festgestellt werden, Weidenbinder behagen den Reben und scheinen dem Wein keineswegs abträglich ...! - Ein herzliches Dankeschön nach Zizers!

Fantasievoll - für Halt und Dekor
Zierendes 'Japanauge' als Bindeknoten

Binden im eigenen Garten

Ob traditionelle Knoten aus dem Erwerbsanbau oder fantasievolle Kreationen, im eigenen Garten ist alles erlaubt. Neben der Funktion als Haltgeber und Fixierung soll ja auch dem Dekoreffekt hinreichend Rechnung getragen werden.
Um genügend und sogar farblich unterschiedliches Bindematerial zur Verfügung zu haben, lohnt sich die Anpflanzung von bindetauglichen Weiden im Garten. In Frage käme z.B. die bewährte Uralweide (Salix purpurea 'Uralensis') mit olivgrünen, schlanken Ruten. Oder soll's eine Bindeweide in bordeauxrot bis schwarz sein? Vielleicht doch eine glänzend gelbe?
Je nach Platzangebot die Qual der Wahl.


Eintrag erstellt: 05.02.2017/züm - Letzte Aktualisierung: 17.12.2017/züm