Verwendung als Flechtweide

Vielfalt an Flechtmaterial
Nur hochwertiges und gut vorbereitetes Material lässt sich flexibel verarbeiten
Werkzeug - Flechten ist Handarbeit
Ovaler Korb aus Reifweide 'Netta Statham' und Ulbrichweide

Weidenruten eignen sich hervorragend für unterschiedlichste Flechtereien. Das wussten die Menschen bereits in vorchristlicher Zeit.

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich bestimmte botanische Arten innerhalb der Gattung Salix als brauchbarer zur Materialgewinnung entpuppt:

-- Purpurweide (Salix purpurea)
-- Mandelweide (Salix triandra)
-- Hanfweide (Salix viminalis)
-- Fahlweide (Salix alba x euxina = Salix x fragilis)

Daraus wurden dann Auslesen an besonders vortrefflichen Individuen getroffen und diese vegetativ d.h. durch Stecklinge weitervermehrt. Die Landsorten waren geboren! Ab ca. dem 19. Jahrhunderts wurde dann begonnen, diese ausgewählten Sorten zu benennen, zu beschreiben, weiter züchterisch zu bearbeiten oder gar zu verkreuzen und schliesslich als Kultursorte zu handeln. Bis in die 60iger Jahre des 20. Jahrhunderts dürften geschätzt um die 400 Sorten an Korbflechtweiden im Umlauf gewesen sein.

Was für Ansprüche an gutes Flechtmaterial gestellt wird, ist nachfolgend zusammengestellt.

Weiden zu Flechtzwecken werden als 1-jährige Ruten während der Vegetationsruhe geschnitten. Obwohl sich einige auch im grünen Zustand verarbeiten lassen, empfiehlt sich vorgängiges Trocknen vor Verarbeitung. Denn trockenes, wieder eingeweichtes Material zeigt weniger Schwund, sodass daraus hergestellte Körbe dicht geflochten und stabil geraten. Grünes Material kann aber durchaus für kurzlebige (Garten-)Dekorationen verwendet werden. Aus Kostengründen fertigte man früher ausserdem Verpackungskörbe mittels Grünflechterei. Heutzutage wäre der Gedanke daran bereits zu teuer.

Verarbeitung

Die Ruten werden von eventuellen Seitentrieben befreit und nach Grösse sortiert.
Anschliessend wird getrocknet: zuerst an der Sonne, dann in einem dunklen, trockenen Raum. Bis zum Gebrauch wird die Ware in der Regel mindestens 1 Jahr gelagert. Vor dem Verflechten müssen die Ruten für ca. 2 Wochen in Wasser eingeweicht werden. Wobei die Zeitdauer je nach Wassertemperatur angepasst werden muss.
Dies gilt für berindete Weiden (rohe Weiden).

Ein kürzeres Einweichen im Stundenbereich ermöglichen geschälte Weiden (weisse Weiden). Hierzu würde man die frisch geschnittenen Ruten geeigneter Sorten bis zum Blattaustrieb in ca. 20 cm hohes Wasser stellen. Um Ende Mai lässt sich dann die Rinde von den angetriebenen Ruten schaben. Auch diese Weiden werden vollständig getrocknet und vor Verwendung 1 Jahr gelagert.

Des weiteren verwendet werden die gesottenen Weiden. Bei der sogenannten Kochschäle wird das frische Material für 8 - 10 Stunden in Wasser gekocht und anschliessend von der Rinde befreit. Durch die hohen Temperaturen des Kochwassers treten Gerbstoffe aus der Rinde und verfärben das Holz der Ruten in ein warmes Rotbraun. Nach Trocknung und Lagerung benötigt dieses Material eine Einweichzeit von ca. 2 Tagen.

Geflecht mit berindeter Weide; Griff mit geschälter Weide

Die gute Flechtweide

Qualität des Rohmaterials und Einfluss nehmende Faktoren

An Weidenruten für Flechtzwecke werden gewisse Anforderungen gestellt. Grundsätzlich sind hoch flexible, geradwüchsige und lange Ruten gefragt (Janson, 1929); verästeltes, brüchiges und krumm gewachsenes Material ist dagegen nicht erwünscht.

Die Wahl der Sorte ist dabei massgeblich verantwortlich für die Erzielung guter Qualität.
So sind

-- Zähigkeit des Holzes (für strapazierfähiges Material)
-- Geradwüchsigkeit
-- Längenwachstum
-- Wachstum, gleichmässig und dünn d.h. Abholzigkeit, gering
-- Stärke des Markes (markschwache Ruten sind weniger brüchig)
-- Verästelung, wenig bis keine
-- Anfälligkeit, gering (Schädlings- und Krankheitstoleranz, Wildverbiss)
-- Spitzenfestigkeit

in den Eigenschaften einer Sorte (Kultursorte) angelegt.
Kultursorten wurden/werden entsprechend selektioniert oder züchterisch bearbeitet (Kreuzungen, Hybriden).

Einige der vorgängig erwähnten Eigenschaften sowie

-- Schnittverträglichkeit (zur Gewinnung jähriger Ruten)
-- Rindenfärbung (für farbig ansprechende Flechtwerke)
-- Schälbarkeit (Weisse des entrindeten Holzes, Erhalt der Flexibilität im geschälten Zustand)

sind oft bereits in der zu Grunde liegenden botanischen Art (Art innerhalb der Gattung Salix) verankert.
Beispielsweise sollen Sorten der Mandelweide (Triandra) bezüglich Schälbarkeit die besten Ergebnisse an schneeweissem Material liefern, während Purpurweiden-Sorten (Purpurea) aufgrund gelb-grün verfärbten Holzes und Brüchigkeit nach Schälung ausser Konkurrenz stehen. Dagegen liegt der Wert der Purpurweiden in ihrer geringen Abholzigkeit bei maximaler Länge, Geradwüchsigkeit und einer hervorragenden Schnittverträglichkeit. Auch sind sie wenig anfällig gegen Schädlinge, geradezu resistent gegen Verbiss und Mäusefrass sowie grundsätzlich sehr genügsam in ihren Boden- und Klimaansprüchen. Zur Gewinnung feiner, dünner Flechtruten sind Sorten von Purpurweiden ideal und die nötigen Bodenansprüche dafür minimal. Soll mit denselben Purpurweiden ein grösserer Ertrag mit kräftigerem Material bewerkstelligt werden, muss das Nährstoffangebot deutlich gesteigert werden. Aber nicht alle Kultursorten liefern mit hohen Düngergaben auch gute Erntequalitäten. Bei vielen muss die Nährstoffversorgung massvoll dosiert, allenfalls gar spezifisch angepasst werden, sollen nicht Anfälligkeit, Verästelung, Markstärke und Abholzigkeit negativ beeinflusst werden. Zudem muss bei allen Kulturen auf gute Besonnung und ausreichende Wasserversorgung geachtet werden. Das Angebot an Wasser darf aber keinesfalls übermässig sein. Obwohl Vertreter der Gattung Salix durchaus auf überfluteten Flächen wachsen können, würde im Fall einer Hanfweidenkultur (Viminalis) auf Schwemmland die Ernte aufgrund grosser Markstärke und erhöhter Brüchigkeit unbrauchbar werden.

Schliesslich lässt sich mit der Kulturform ebenfalls Einfluss auf die Qualität der Ernte nehmen. Weiden können als einfache Buschform, als Kopfbaum oder in Reihenkultur angebaut werden. Letztere verbindet einige Voraussetzungen für gute Ergebnisse. Durch Reihenkultur und enge Pflanzung der Steckhölzer – 10 bis 15 cm in der Reihe, ca. 50 cm zwischen den Reihen – lassen sich Länge, Dünne sowie Geradwüchsigkeit der Ruten erheblich begünstigen. Pflege und Schnittarbeit bleiben dabei gewährleistet. Durch die eingeengten Platzverhältnisse wird gleichzeitig die etwaige Tendenz zu Verästelungen reduziert. Nach Erstarken der Kultur und der damit verbundenen Dichtigkeit des Blattwerkes wird das Lichtangebot innerhalb der Anlage vermindert. Das Aufkommen von unerwünschten Beikräutern wird entsprechend unterdrückt. Daneben kann die veränderte Lichteinwirkung allenfalls Einfluss auf die Farbausprägung der Weidenruten haben. Durch verminderte Sonneneinstrahlung werden z.B. Reifweiden (Daphnoides) weniger Reif, Mandelweiden weniger Flecken ausbilden, Purpurweiden grüner bleiben, gelbe Sorten weniger rote Seitenfärbungen entwickeln. Je nach Ansicht, eine positive oder eher negative Auswirkung.

Zusammenfassend sind die Eigenschaften guter Flechtweiden graphisch dargestellt (siehe Abbildung).

Für die Ernte qualitativ hochwertiger Ware sind somit beim eigenen Anbau einige Grundsätze zu beachten; Grundsätzen, welchen beim Materialeinkauf in der Wahl von Sorte und Anbauer/Lieferant durchaus ebenfalls Aufmerksamkeit geschenkt werden kann.

Abb.: Relevante Eigenschaften guter Flechtweiden und qualitätsbeeinflussende Faktoren

Eintrag erstellt: 17.06.2016/züm - Letzte Aktualisierung: 05.02.2017/züm