Salix x dasyclados  Wimmer 1849 -- S. ? x ? x ? --
Bandstockweide, Filzastweide

Dicht filzig behaarte Zweige - Filzastweide

Syn.: S. dasyclados  Wimmer 1849
Syn.: S. longifolia  Host 1828
Syn.: S. caprea x cinerea x viminalis  Wichura 1865
Syn.: S. burjatica  Nasarow 1936
Syn.: Haar- oder Filzweide, Dasykladenweide

Bandstock- und Energieweide

Der Bedarf an Bandstöcken insbesondere zur Herstellung von Fassreifen war früher immens. Aufgrund dessen wurde der Anbau an kräftig wachsenden Weiden stark forciert.

Die Kultur und Verwendung von Bandstöcken wird im Originalton folgendermassen beschrieben (Kaiser et al. 1952):
"Bei der Bandstockkultur werden die Ruten nur alle drei Jahre geerntet. Nach dem ersten und zweiten Jahr findet eine Durchforstung statt; es werden die kleinen, schwachen, krummen oder kranken Ruten herausgeschnitten, oft 20 – 30 und mehr Prozent der Ruten, damit der Rest sich besser entwickeln kann. Der Zweck dieser Massnahme ist, dass starke Ruten zur Herstellung von Fassreifen, Gestellen und Bügel für Körbe und zum Spalten der Ruten in langen Streifen geschaffen werden."

Dasykladenweide: Kreuzung oder reine Art?
Botaniker Wimmer endeckte 1849 in Schlesien eine stark filzig behaarte Weide und nannte sie Salix dasyclados (dasys = dicht behaart, clados = Zweig). Ein paar Jahre später, 1866, war er sich nicht mehr sicher, ob es sich dabei nicht eher um eine Kreuzung, denn eine reine Art handeln könnte. Sein Kollege Wichura sprach sich klar gegen die reine Art und für eine Dreifachhybride S. caprea x cinerea x viminalis aus; konnte diese These in seinen Kreuzungsexperimenten aber nicht abschliessend bestätigen (Wichura 1865).
Als im späteren 20. Jahrhundert der Anbau von Gehölzen zur Biomasseproduktion aufkam, wurden auch ehemals für Bandstöcke verwendete Dasykladenweiden einbezogen. Dazu kamen neue starkwachsende Zuchtweiden aus Dänemark, namentlich Salix 'Aquantica Gigantea' des Weidenzüchters Carl Jensen im Jahre 1956. Zum ganzen Wirrwar um diese filzästigen Weiden kommt hinzu, dass im Gebiet Baltikum bis Sibirien eine der Dasykladenweide ähnliche Weidenart wild existiert.

Nach Stott (1991) gilt die nachfolgende Unterscheidung:
-- S. x dasyclados Wimmer: Kreuzung, weiblicher Klon, (ehemalige) Bandstock- und Flechtweide
-- S. dasyclados Skortsov non Wimmer: Botanische Art im Gebiet Baltikum/Sibirien --> S. burjatica Nasarow
-- S. 'Aquatica Gigantea' Jensen: Mehrfachkreuzung, potenielle Kreuzungspartner S. x dasyclados Wimmer und/oder S. burjatica Nasarow


Salix x dasyclados -- Bandstockweide, Dasykladenweide

Kultursorte D/GB ca. 1850

Geschlecht:     weiblich
Verwendung:  Bandstockweide, Flechtweide, Energieweide

Wüschsig und ertragreich

Diese Sorte gedeiht ausgesprochen kräftig. Mit der filzigen Behaarung an Blättern und Zweigen ist sie zudem eine Zierde im Garten. Auch geblüht wird in derselben Üppigkeit. Die weiblichen Kätzchen erscheinen jeweils in grosser Zahl kurz vor dem Blattaustrieb.

Filzig behaarter Jungtrieb im Sommer
Filzig behaartes Blatt mit markanten Rippen
Sehr blühfreudig - weibliches Kätzchen
3-jährige Bandstöcke, gleichmässig dick und gerade
Rinde der Dasykladenweide - ideal für kreative Flechtereien

Material zum Bauen und Flechten
Grosse Ernten an kräftigen Ruten sind bei dieser Kultursorte die Regel.

Jansen konkretisiert (1929):
"Diese Sorte ist weiblich und eignet sich ausschliesslich, aber hierfür ganz hervorragend für die Bandstockerzeugung. Die Erträge sind hier ausserordentlich gross, besonders wenn guter, genügend feuchter und reichlich gedüngter Boden vorhanden ist."

Die gleichmässig langen und kräftigen Ruten lassen sich ausserdem ganz hervorragend zu Zäunen oder Sichtschutz-Palisaden verflechten; mit mehrjährigen Bandstöcken als Aufsteller. Als Energieweide taugt die Dasyclados aber ebenso zu jeglicher Art von Lebendverbau. Jedoch nur im Rahmen von Kulturen oder im urbanen Bereich. Kultursorten sollten grundsätzlich nicht in der freien Natur angesiedelt werden.

Ein weiteres Erntegut dieser Weide betrifft die Rinde. Die gerade wachsenden, mehrjährigen Bandstöcke liefern gleichmässiges Rindenmaterial, welches nach Antrieb im Wasser oder bei spätem Schnitt Ende April mühelos gewonnen werden kann. Aber wie lässt sich solch ein Rohstoff verwenden? Jette Mellgren (2011) bietet in ihrem Buch ein Fülle von Ideen für kreative Flechtereien mit Rindenmaterial.


Eintrag erstellt: 28.06.2016/züm - Letzte Aktualisierung: 07.06.2017/züm