Salix x rubra  Hudson 1762 -- S. purpurea x viminalis --
Gemeine Blendweide

Syn.: Purpur-Hanfweide

Grobe Binde-, Flecht- und Schälweide

Die Blendweide scheint eine Naturhybride zu sein. Erstmals beschrieben wurde sie vom englischen Botaniker William Hudson im Gebiet um Windsor und Salisbury (Hudson 1762): Eine Weide mit kahlen, schmal-lanzettlichen, zugespitzten Blättern.

Die Vertreter dieses Kreuzungsproduktes sind äusserst vielgestaltig und meist sehr wüchsig; erschaffene Zuchtsorten sind zahlreich, meist weiblichen Geschlechtes und finden bevorzugt zu Binde- und Flechtzwecken Verwendung.



Salix x rubra  'Continental Osier' -- Blendweide 'Continental Osier'

Kultursorte GB ca. 1919

Geschlecht:     weiblich
Verwendung:   Flechtweide, (Grünholz-)Bindeweide

Wüchsige Flecht- und Bindeweide

Diese Sorte liefert bei jährlichem Rückschnitt reichlich gutes Flechtmaterial. Ellmore (1919) beschreibt sie als sehr wüchsig, geeignet für jährliche Rutengewinnung oder für mehrjährige Bandstöcke. Aus eigenen Erfahrungen eignet sich diese Weide ebenso als (Grünholz-)Bindeweide, insbesondere die feineren Triebe.
Durch den Anteil Purpurea-Elter muss zudem wenig mit Wildverbiss und Mäusefrass gerechnet werden.

Frischgrün und wüchsig - Ruten im Hochsommer
'Cont. Osier' in der Feldkultur
Getrocknete Ruten

Salix x rubra  'Eugenei' -- Blendweide 'Eugenei'

Kultursorte D ca. 1860

Syn.: S. purpurea  L. 'Eugenei'

Geschlecht:     männlich
Verwendung:  Flechtweide, Zier- und Imkerweide, Lebendverbau

Alte Kultursorte mit aufrechter, bambusähnlicher Wuchsform

'Eugenei' ist eine wüchsige und trotzdem sehr elegante Weide. Sie wächst ausgesprochen aufrecht und die ab dem zweiten Jahr gebildeten Seitetriebe streben in einem spitzen Winkel ebenfalls nach oben. Der schottische Botaniker James Fraser äusserte den Vergleich mit einem feinblättrigen Bambus. Nach Bean (1980) wurde diese Sorte seit 1860 in Deutschland kultiviert. Erst als Sorte der Stammart Purpurweide angesehen wurde 'Eugenei' um 1920 vom schwedischen Weidenforscher Floderus als Blendweide (S. purpurea x viminalis) erkannt.

'Eugenei' im Frühling: Blutroter Austrieb
Eugenei' im Juni: Dicht geschlossene Feldkultur
'Eugenei' im Spätsommer: Bambusähnlicher Wuchs mit mannshohen Trieben
Frisch geschnittene Ruten: blass-grün bis grünlich, teils grau getigert
Ein Feuerwerk in pink - Blühfreudigkeit kurz vor dem Blattaustrieb

Multifunktionsweide
Von der Zier- und Imkerweide über Flechtmaterial bis zum Lebenverbau, 'Eugenei' lässt sich vielfälltig verwenden. So blüht der männliche Klon überaus üppig und sehr dekorativ, das Flechtmaterial ist ausserordentlich zäh im Holz dabei trotzdem elastisch in der Verabeitung und der aufrechte Wuchs bietet sich bei der Pflanzung einer lebenden Palisade geradezu an.

Warum nicht gleich alles kombinieren: Lebende Palisade, als Sichtschutz im Sommer, als frühblühende Imkerweide im Frühling und die anschliessend geschnittenen Ruten als Flechtmaterial - eine regelrechte Multifunktionsweide!


Salix x rubra  'Ulbrich' -- Ulbrichweide

Kultursorte D (PL) 1929 -- Wilhelm Strauß, D-Brieg (PL-Brzeg)

Trieb der Ulbrichweide im Spätsommer

Syn.: S. x bregensis  Strauß
Syn.: S. purpurea x viminalis medians  Toepff.

Geschlecht:     weiblich
Verwendung:  Flechtweide

Sehr wertvolle Korbflechtweide

Diese Kulturweide ist nach Prof. Eberhard Ulbrich, dem ehemaligen Kurator des Botanischen Museums zu Berlin-Dahlem, benannt. Ulbrich beschäftigte sich in der Zeit seiner Forschungstätigkeit häufig mit Faserpflanzen sowie Rohstoffen zu Flechtzwecken. Der ursprüngliche Typ dieser Weidenkreuzung wurde um 1928 von Korbmacher Wilhelm Strauß (aus Brieg, Schlesien, heute PL-Brzeg) als Salix bregensis in den Handel gebracht.

Ulbrich beschreibt (1929) die Weide als "sehr wertvolle Korbweide":
"Die Weide wird als ausserordentlich brauchbar bezeichnet. Sie wächst sehr schnell und unterdrückt durch ihr reiches Laubwerk Unkraut und Graswuchs und ist gegen Nässe und langandauernde Überschwemmung in hohem Grade widerstandsfähig."
Paul Kaiser, Obmann des Sonderausschusse Korbweidenanbau der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft, ergänzt (Ulbrich 1929):
Da die deutschen Korbweidenzüchter nur dann der drohenden Auslandkonkurrenz grwachsen sind, wenn sie besonders hochwertige Sorten anpflanzen, so ist eine grössere Anpflanzung gerade dieser Sorte ganz besonders wertvoll."
Die Sorte habe viele Vorzüge, sie sei ausserordentlich ertragreich, frei von Spitzendürre, wenig frostempfindlich und insektenanfällig, zeige gute Schnittverträglichkeit sowie vorzügliche Schälbarkeit zu erstklassiger, weisser Ware.

Daraufhin nahm Korbweidenzüchter Hugo Schmidt (Oberthiemendorf bei Breslau, heute PL-Radostów Górny) sich der weiteren Kultur und Auslese an.

Schmidt (1937) schreibt über die Ulbrichweide:
"Leider gibt es diese Weide in Reinzucht noch nicht. Sie wird in meinem Zuchtgarten aber dahin bearbeitet. Sie hat wunderschöne, gleichmässige, schlanke, nicht zu starke Ruten, bestockt sich sehr stark, ist voll belaubt und bietet deshalb eine wertvolle Beschattung. Wie es mit dem Gerbstoff bestellt ist und mit der Schälbarkeit, muß die Zukunft lehren. Sie ist wahrscheinlich eine wilde Kreuzung der Hanfweide und der Purpurweide. Scheinbar hat sie jedoch mehr Purpur- als Hanfweidenblut. Aber leider ist auch diese Weidenart mit wilden Kreuzungen durchsetzt, so dass sie nicht als 'reine Zucht' anzusprechen ist. Auf jeden Fall aber hat diese Weidenart in rein gezüchteter Sorte eine gute Zukunft."

Wüchsig und anspruchslos
Die Ulbrichweide ist sehr wüchsig mit durchschnittlich 2,5 m langen, kahlen, rötlich bis rötlich-grünen Trieben. Die Blätter sind bis 15 cm lang, lineallanzettlich, zugespitzt und anfangs als Erbe der Hanfweide wenig behaart (Ulbrich 1949). Nach Wagner und Ortmann (1959) ist sie eine anspruchslose Sorte, welche noch auf nährstoffarmen Standorten befriedigende Erträge bringt. Gegen Bodenverdichtung und Verunkrautung sowie zeitweilige Vernässung des Bodens soll sie aber empfindlich sein. Auch sollte der Boden nicht übermässig gedüngt sein. Obwohl auf nährstoffreichen Standorten mit guter Wasserversorgung ausserordentlich hohe Erträge erreicht werden können, sei die Qualität mehr als mangelhaft. Das Resultat: 4 m lange Ruten, welche brüchig, weitmarkig und beim Schälen nicht spitzenfest seien.

Ulbrichweide, dicht bestockt im geschlossenen Feld

Gleichmässige Ruten von guter Qualität
Auf nicht zu nährstoffreichen Standorten erbringt die Ulbrichweide hohe Erträge an qualitativ hochwertigem Rutenmaterial. Gleichmässig lange, wenig abholzige d.h. sehr schlanke, unverästelte und sehr flexible Ruten sind das Ergebnis.

Frisch geschnittene Ruten
Ruten im trockenen Zustand

Eintrag erstellt: 12.07.2016/züm - Letzte Aktualisierung: 07.06.2017/züm