Salix viminalis  Linné 1753 -- Korb- oder Hanfweide

Grobe Flecht- und Schälweide, Imkerweide und Energieweide

Korb- bzw. Hanfweiden werden seit jeher als frühblühende Imkerweiden und für Flechtzwecke angebaut. Neuerdings finden sie auch vermehrt für Lebendverbau und zur Grünmasse-Produktion Verwendung. Aufgrund der bescheidenen Wachstumsansprüche können die Sträucher gut und gerne auch auf minderwertigem Land ertragreich kultiviert werden.
--> ZUR WILDART Salix viminalis



Salix viminalis  'Cinnamomea' -- Zimtbraune Hanfweide

Kultursorte D ca. 1880

Syn.: S. viminalis cinnamomea  Hort.
Syn.: S. viminalis cinnamomea  Dochn.
Syn.: Braune Königshanfweide, Kanelpin (norw.)

Geschlecht:     männlich
Verwendung:  Flechtweide, Zier- uns Imkerweide

Zimtbraune, dicht behaarte Ruten mit Kätzchenpracht

Diese Auslese stammt aus den Anfängen der Sortenkultur. Von der gelben Königshanfweide unterscheidet sie sich durch die zimtbraun gefärbten Ruten, ist dabei aber ebenso wüchsig wie diese (Dochnahl 1887).
Verwendung findet diese Sorte als geschätzte Flechtweide (Späth 1930) oder als männlicher Klon mit eher grossen Kätzchen auch als frühblühende Zier- und Imkerweide.

Eine Hanfweide mit grossen, farbenprächtigen Kätzchen
Frisch geschnitten - Steckhölzer vom oberen Rutenteil zimtbraun und behaart, vom unteren Rutenteil olivegrün mit markanten Lentizellen

Salix viminalis  'Heidenriet' -- Hanfweide 'Heidenriet'

Landsorte CH ca. 1928 -- Jules Winter, CH-Dübendorf

Viminalis 'Heidenriet' - eine typische Hanfweide

Geschlecht:     weiblich
Verwendung:  Flechtweide

Robuste Landsorte aus dem Züribiet

Das Feuchtgebiet Heidenriet liegt im Kanton Zürich, beim Gfenn, zwischen Schwerzenbach und Dübendorf. Es beherbergt die letzte offiziell bewirtschaftete Korbweidenkultur der Schweiz. Die einst von Jules Winter dort angesiedelte Landsorte ist nur dank sorgfältiger Pflege des Weidenhegers durch die SWO (Stiftung Wirtschaft und Ökologie) bis heute erhalten geblieben. Ebenso existiert die ursprüngliche Mutterpflanze noch; mittlerweile ca. 70 Jahre alt wächst sie an einem Bach in der nahe gelegenen Ortschaft Maur.
Aufgrund des Bewuchses und des Wasserstandes im Riet wurde/wird diese Weide in kniehoher Form kultiviert; was letztlich auch zur verbesserten Ergonomie der Schneidearbeit beiträgt.
Der einstige Bestand von 1928 wurde mehrmals um eine Neupflanzung ergänzt. Dies, um einen regelmässigen Ertrag zu sichern, aber auch um die Sorte längerfristig zu erhalten.
(---> zur Geschichte der Weidenkultur Heidenriet)

Bescheidene Ansprüche
Diese Landsorte ist äusserst bescheiden in ihren Ansprüchen. Den besten Ertrag an qualitativ hochwertigem Erntegut kann beim Anbau auf gut feuchten, nicht übermässig gedüngten Böden an voll besonnten Standorten erwartet werden. Auf ständig überschwemmten Flächen kann sie zwar durchaus wachsen, die Ernte ist aufgrund hoher Markstärke aber minderwertig. Ebenso auf überdüngten Böden; das Resultat sind stark markige Ruten von riesenhaftem Ausmass. Was zur Grünmasse-Produktion als Energieweide oder als Baumaterial für Tod- oder Lebenverbau durchaus erwünscht ist , taugt für die Flechterei aber eher wenig; vieleicht noch als Seelen für Korbhenkel oder Material für rustikale Palisaden.

Korweidenanbau im Heidenriet
(Dübendorf-Gfenn ZH, 440 m ü.M.)
Traditionell in kniehoher Form kultiviert - Ernte im Heidenriet
(Dübendorf-Gfenn ZH, 440 m ü.M.)
(Bild: Thomas Winter, SWO)

Kultur auf niederen Köpfen
Traditionell wird diese Weide auf kniehohen Köpfen kultiviert. Das ist durch den Anbau im feuchten Riet begründet. Kann doch auf diese Art der umgebende Bewuchs im Feuchtgebiet gut gemäht werden. Aber auch periodisch höhere (Grund-)Wasserstände lassen sich dadurch tolerieren, sodass keine der jungen Ruten im Wasser zu stehen kommt. Dickes Mark und Wurzelausschlag wären das wenig erfreuliche Ergebnis. Schliesslich ermöglicht die erhöhte Kopfform aber auch eine Erleichterung bei den jährlichen Schneidearbeiten. Ergonomische Überlegungen dürfen ja durchaus auch im Pflanzenanbau berücksichtigt werden.
Trotz der vielen Vorteile, die diese Kulturform mit sich bringt, ist sie leider nicht für alle Flechtweiden geeignet.

Frisch geerntete Ruten
Getrocknete Ruten
Rustikale Flechtwerke
(Bild: Thomas Winter, SWO)

Für rustikale Körbe und Zainen
Die Hanfweide 'Heidenriet' kann zur Gruppe der groben Flecht- und Schälweiden gezählt werden. Auf passenden Böden kultiviert können gleichmässig lange, schlanke, unverzweigte und wenig markige Ruten geerntet werden. Frisch geerntete Triebe sind gelb-grün, getrocknete olive-grün bis hellbraun. Auffallend sind die vielen Lentizellen.
Das Erntegut besteht aus mehrheitlich kräftigen Ruten, was die Verwendung zu eher grossen Körben sowie zu rustikalen Zainen nahe legt.
Naturschäle wie Kochschäle sind möglich.


Salix viminalis  'Regalis' -- Königshanfweide

Kultursorte D ca. 1880

Königlich prächtig

Syn.: S. viminalis var. regalis  Hort.
Syn.: S. viminalis lutea Hort.
Syn.: Gelbe Königshanfweide

Geschlecht:     weiblich
Verwendung:  Flechtweide, Bandstockweide, Energieweide

Königlich prachtvolle Pioniersorte

Auch diese Auslese entstammt den Anfängen der Sortenkultur.

Bereits Dochnahl (1887) beschreibt diese Hanfweide und betitelt sie als 'Königin der Weiden':
"Durch ihren prachtvollen Wuchs im ersten Jahre, in fruchtbarem Boden oft bis zu 3 Meter Höhe, vor allen anderen Weiden auszeichnet; wird in Norddeutschland im Grossen erzogen, in manchen Gegenden ausschliesslich, und liefert die
grössten Massenerträge."

Für Grünflechterei und als Schälweide
Diese Kultursorte wurde oft für die Grünflechterei im Bereich der Packmittelherstellung verwendet (Dochnahl 1887, Sallmann 1919). Daneben sei sie aber auch eine ausgezeichnete Schälweide für Weisskorbwaren (Ulbricht 1949). Obwohl, mitunter wurde an Lager in geschältem Zustand Rissigkeit festgestellt (Dochnahl 1887).

Nichts desto trotz, Paul Kaiser, Korbweiden-Sachverständiger jener Zeit, schwärmt (1927):
"Diese Sorte ist die zur Zeit beste Hanfweidenvarietät und bringt glatte, schlanke, am unteren Ende nicht zu starke Ruten, die sich gut schälen lassen und ein einwandfreies weisses Holz liefern."


Eintrag erstellt: 18.06.2016/züm - Letzte Aktualisierung: 07.06.2017/züm