Salix x americana -- S. eriocephala x petiolaris  'Americana' --
Amerikanerweide

Kultursorte USA/D (PL) ca. 1885 -- Ernst Hoedt, D-Tierschtiegel (PL-Trzciel)

Amerikanerweide, zeichnerisch erfasst in Janson (1929)

Syn.: S. americana  Hort. ex Schwerin 1919
Syn.: S. fragilis americana hort.
Syn.: S. 'Americana'
Syn.: S. cordata  Muhl. x S. gracilis   Andersson
Syn.: S. rigida   Muhl. x S. gracilis  Andersson
Syn.: Universalweide

Geschlecht:     männlich
Verwendung:  Flechtweide

Die am meisten kultivierte Flechtweide im Europa des 20. Jhdt.

Ernst Hoedt hatte diese aussergewöhnliche Weide ca. 1885 illegal aus Nordamerika nach Europa gebracht. Die Ausfuhr von Weiden aus Amerika nach Deutschland war damals streng verboten. Erschwerend kam hinzu, dass die Reise per Schiff erfolgte und dadurch die Fahrzeit mehrere Wochen dauerte. Überliefert ist, dass Korbmachermeister Hoedt aus Tirschtiegel (heute Trzciel, im Gebiet Nowy Tomyśl, Polen), 5 bis 6 Korbweidensorten in Ohio ausgesucht, mit den grünen, frischen Ruten Reisekörbe geflochten, die Flechtwerke während der Überfahrt feucht gehalten und nach Ankunft Pflanzgut daraus geschnitten hatte (Wagner 1937). Von den eingeführten Sorten passte aber nur eine zum herschenden Klima. Nach Bean (1980) wurden um 1914 durch die Weiden-Gärtnerei Otto Schoen gegen 3 Millionen Steckhölzer jenes Klons in Mitteleuropa verbreitet.

Als Flechtrute ein Volltreffer
Praktisch jede Publikation zum Thema Flechtweiden-Anbau des 20. Jhdt. erwähnt die Amerikanerweide oder Universalweide als produktive Qualitätsweide. Hemmerling (1901) ist der erste, der die amerikanische Korbweide beschreibt und die Sorte als "Weide der Zukunft" betitelt. Janson (1929) schwärmt: "Die edelste aller Weiden, besonders schneeweiss geschält zu geschälten Feinflechtwaren. Ausgezeichnet durch schnellen Aufwuchs nach dem Pflanzen." Im Späth Buch (Späth 1930), dem Sortimentsverzeichnis der gleichnamigen Baumschule in Berlin, wird Salix fragilis americana hort. als "gute Nutzweide" angepriesen. So auch Hilf (1949): "Ruten astrein. Seit 1900 häufig angebaut. Sehr gut bezahlt." Oder Wagner und Ortmann (1959): "Die Universalweide ist die in Mittel- und Osteuropa meist angebaute Qualitätsweidensorte. Sie wird zur Zeit auf allen weidenfähigen Standorten kultiviert."

Klärung der Namensgebung (Nomenklatur)
Die vielen Synonyme zeigen die (anfängliche) Schwierigkeit der korrekten Bezeichnung dieser Kulturweide. Ernst Hoedt hatte eine Sorte unklaren Ursprungs nach Europa eingeführt. Heute ist mehrheitlich bestätigt, dass es sich bei der Amerikanerweide um eine Kreuzung aus S. eriocephala  Michx. und S. petiolaris  Sm. handelt (Hilf 1949; Bean 1980; Küssmann 1984). Die in Europa nicht heimischen Kreuzungspartner und die damit verbundene Abwesenheit von Vergleichen möglicher Eltern-Arten mag wohl mit zur verzögerten Bestimmung dieser Weide beigetragen haben.

Amerikaner-Weide - blüht männlich
Typisch: Nickende, rötlich überlaufene Triebspitze
Kultur im Frühjahr

Amerikanerweide - ein männlicher Klon
Alle Pflanzen in Europa stammen von derselben Mutterpflanze bzw. von demselben Korb ab; ein männlicher Klon.
Geblüht wird kurz vor dem Blattaustrieb, zwischen März und April. Die männlichen Kätzchen sind ca. 3 cm lang, schlank zylindrisch, 1 cm lang gestielt (Lautenschlager-Fleury 1994) und an der Basis mit einigen Blättchen dekoriert. Anfänglich rötlich gefärbt erscheinen die Staubbeutel mit Austritt des Pollens gelb.
In gut besonnten Lagen ist der junge Austrieb rötlich gefärbt; ebenso wie die nickenden Triebspitzen im Laufe des Sommers. Die adulten Laubblätter sind bis 15 cm lang, lenzettlich, lang zugespitzt, lebhaft grün und beidseits kaum behaart. An den Ruten fallen die ausserordentlich grossen, nierenförmigen Nebenblätter auf.
Ungeschnitten wächst diese Weide strauchförmig und soll nach Newsholme (1992) maximal 3 m hoch werden.

Frisch geerntete Ruten
Getrocknete Ruten
Geflecht aus Amerikaner-Weide

Astreine Ruten von hervorragender Flexibilität
Die Bezeichnung 'Universalweide' bringt's auf den Punkt: eine vorzügliche Flechtweide für alle Flechtarbeiten. Hilf (1949) beschreibt die Qualitäten folgendermassen: "Ruten astrein, hart, gut aufzubewahren, Holz nach dem Schälen schneeweiss; gekocht rot." - schlicht ein Traum zum Flechten!
Anpflanzungen von Amerikanerweide bringen hohe Erträge; eine gute Pflege des Weidenhegers vorausgesetzt. Auch sollten zu nährstoffreiche Standorte gemieden werden. Ansonsten wird die Ernte stark abholzig, ästig und brüchig (Wagner/Ortmann 1959). Nach Kaiser et al. (1952) ist sie gegen Spätfröste empfindlich und taugt daher für Höhenlagen wenig. Aus eigener Anbau-Erfahrung ist zudem Wildverbiss ein Thema bei dieser Weide; hingegen Mäusefrass von Wurzeln kaum.

Die im Winter frisch geernteten Ruten sind rotbraun und tragen ebenso kolorierte, glänzende Knospen. An der Rinde im Bereich der Rutenbasis sind oft Maserungen zu beobachten. Die rotbraune Rindenfärbung der Ruten bleibt auch nach Trocknung erhalten.

Diese Kultursorte eignet sich im höchsten Masse für eine Veredlung; sowohl für geschälte wie auch für gesottene Weiden.

Die Amerikanerweide ist eine hochwertige, anbausichere Flechtweidensorte, die sich durchaus auch zur Selbstversorgung in Klein(st)-Anlagen eignet.


Eintrag erstellt: 14.06.2016/züm - Letzte Aktualisierung: 07.06.2017/züm