Salix foetida Schleicher ex De Candolle 1805 -- Stinkweide

Eine stinkende Weide? Der Name ist irreführend.

Der botanische Name (lat.: foetidus = stinkend) bezieht sich wohl nicht auf den Blütenduft, denn die erblühten Kätzchen von Salix foetida verströhmen einen balsamischen Blumenduft! Bereits Weidenpionier Robert Buser (Buser 1883) störte sich an dieser irreführenden Bezeichnung und vermutete, (< ... e vocabuli confusione cum viscido aut glanduloso ortum esse suspiceris ...>) dass der Ausdruck möglicherweise mit den Drüsen des Blattrandes zu tun haben könnte. Werden nämlich die ausgewachsenen Sommerblätter gerieben, so kann ein eigenartiger Geruch nach Bittermandeln wahrgenommen werden.

Salix foetida wächst als Kleinstrauch bis ca. 100 (- 150) cm hoch, dicht verzweigt und kann ausladende Gebüsche bilden. Jüngere Zweige und Knospen sind dabei meist dunkelrot-braun gefärbt und glänzend sowie kurzhaarig verkahlend. Die Blätter sind 15 bis 30 mm lang, sattgrün glänzend, der Blattrand ist regelmässig fein gesägt und überrascht mit hellen Drüsen auf den Zahnspitzen. Blütezeit ist je nach Höhenlage zwischen Juni und Juli, gleichzeitig mit dem Blattaustrieb. Die Kätzchen sind eiförmig, bis 15 mm lang und bei männlichen Individuen mit rot gefärbten Staubbeuteln ausgestattet.

Sommerblätter mit auffälligen hellen Drüsenspitzen
Männliche Kätzchen mit roten Staubbeuteln

Feuchte und lange schneebedeckte Hänge mit Silikatgestein und Kalkarmut, in hochmontaner bis subalpiner Stufe (ca. 1400 - 2100 m.ü.M.), so lässt sich der Naturstandort der Stinkweide umschreiben. Sie ist eine genügsame und äusserst robuste Weide. Auch in der Kultur zeigt sie sich sehr vital und wächst auf praktisch auf allen Gartenböden; Hauptsache feucht, viel Licht und wenig pflanzliche Konkurrenz. Ausser vielleicht in Begleitung von ein paar Gräserhorsten wie z.B. der Rasenschmiele Deschampsia caespitosa.

Weibliche Kätzchen mit roten Narbenästen

Salix foetida ist eine sehr ansprechende und wüchsige Art für Einzel- und Gruppenpflanzungen. Wie andere Kleinweiden kommt sie als Solitär umgeben von steinigem Material und wenigen Gräsern besonders gut zur Geltung.

Ausgebreitete Wuchsform von Salix foetida (Morteratsch GR, 2000 m.ü.M.)

Eintrag erstellt: 18.07.2011/züm - Letzte Aktualisierung: 13.01.2015/züm